Nabelschnurblut - Bald in ausreichender Menge vorhanden?
Wenn ein Produkt auf dem Markt Bestand haben soll, dann muss es in ausreichender Menge schnell verfügbar und leicht anzuwenden sein. Zudem ist es wichtig, eine immer gleiche Qualität zu gewährleisten. Das gilt auch für Zelltherapie-Produkte, wie beispielsweise Nabelschnurblut. Dr. Nicole zur Nieden weiß als Arbeitsgruppenleiterin für Stammzelltechnologie am Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig, dass das in ihrem Fall nur mit Suspensionskulturen (Anm. d. Red.: Zellen schwimmen frei im Nährlösung.) zu bewerkstelligen ist: „Die massenhafte Vermehrung von Zellen in Zellkulturflaschen ist vom Arbeits- und Materialaufwand her nicht attraktiv. In Suspensionskulturen hingegen können große Zellmengen unter immer gleichen Bedingungen hergestellt werden“. Deshalb will die Wissenschaftlerin herausfinden, worin die Unterschiede zwischen einer statischen zweidimensionalen Vermehrung in der Zellkulturflasche und der dreidimensionalen Suspensionskultur liegen. Ihre Ergebnisse sind wegweisend auf dem Gebiet: „Generell kann das Verfahren auf alle Zellen angewendet werden, beispielsweise auf Stammzellen aus Nabelschnurblut, es muss nur auf die besonderen Eigenschaften der jeweiligen Zellart eingegangen werden“.
Nabelschnurblut bei Schlaganfall
Sind Stammzellen zur Therapie von Schlaganfall-Patienten einsetzbar? Diese Frage stellte sich der Forscher Dr. Johannes Boltze vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig. In Tierexperimenten zeigten er und sein Team erfolgversprechende Effekte nach Transplantationen von Stammzellen aus Nabelschnurblut und Knochenmark.
„Durch die Verabreichung von Stammzellen können die natürlicherweise nach einem Schlaganfall ablaufenden Prozesse im Gehirn beeinflusst werden. Dabei wird das hirneigene Potenzial zur Neuorganisation der Nervenverbindungen unterstützt.“, kommentiert der Forscher die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Untersuchungen. Außerdem konnte die Arbeitsgruppe nachweisen, dass mit Hilfe der Stammzellen ausgefallene Bewegungsleistungen regeneriert werden können und sich der Zeitraum bis zum Start der Therapie um wertvolle Stunden verlängern lässt.
Nabelschnurblut regeneriert zerstörtes Herzgewebe
Die Bedeutung von Stammzellen bei der Regeneration von Gefäßen stand bei Professor Gustav Steinhoff, Direktor der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie der Universität Rostock, im Mittelpunkt seiner Untersuchungen: „Unsere Forschungsergebnisse belegen, dass zerstörtes oder beschädigtes Herzgewebe nachwachsen kann, und zwar mit Hilfe der Stammzelltherapie.“
Demnach sind menschliche Stammzellen bei der Regeneration des durch Infarkt geschädigten Herzgewebes von enormer Bedeutung: Die ersten Anwendungen belegten, dass die aus dem Knochenmark der Patienten entnommenen Stammzellen nach einer Transplantation zum Herzen gelangen und dort die Wiederherstellung von zerstörtem Gewebe unterstützen. Erste Untersuchungen mit Stammzellen aus Nabelschnurblut laufen.
Herzklappen aus Nabelschnurblut
„Wir haben nachgewiesen, dass es möglich ist, aus humanen Knochenmarks- und Nabelschnurzellen funktionale, körpereigene Herzklappen und Blutgefäße herzustellen“. Auf dem 1. Weltkongress für Regenerative Medizin 2007 in Leipzig stellte Dr. Simon P. Hoerstrup vom Universitätskrankenhaus Zürich die Ergebnisse seiner Forschungsaktivitäten vor.
Der Wissenschaftler wies nach, dass im Labor Gewebe entstehen können, die in den Patienten implantiert werden, ohne dass es zu immunologischen Reaktionen kommt. Dieses Verfahren ist besonders zur Anwendung bei Kindern enorm bedeutsam: Es ermöglicht ein Mitwachsen der Herzklappen und macht so Folgeoperationen unnötig.